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20. Oktober 2011

erstellt am: 02.09.2012

Viele Menschen melden uns immer wieder viele verschiedene Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und wir müssen oftmals tatenlos zusehen. Übrigens muss das auch das Veterinäramt, denn es kann nur streng nach dem Gesetzt handeln. Und wenn es keine handfesten Beweise für Vergehen gibt, kann auch dieses Amt nichts tun.

So aber zum Glück nicht in diesen beiden Fällen. Ja, Sie haben richtig gelesen. An einem Tag mussten wir mit mehreren Teams gleich auf 2 Grundstücken nach dem Rechten sehen. Möglich war das nur, weil die Familie schon in Niedersachsen mehrmals mit Mißständen in der Tierhaltung auffällig geworden war und dort schon ein Tierhalteverbot erhalten hat. Aber egal – dann zieht man in ein anderes Bundesland und fängt noch mal von vorne an.

Auch jetzt werden diese Leute einen Weg finden, sich erneut zu formieren und weiter machen wie eh und je. Mancher lernt es nicht und scheint auch nicht zu verstehen, was falsch gemacht worden ist. In folgendem Bericht von unserer Tierheimleiterin Ursula Lohse werden Sie erfahren, was an diesem Tag alles passiert ist:

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Mehrere Monate lang beobachteten unsere Kollegen vom Tierheim in Ahlum zusammen mit den Behörden eine Hundezüchter-Familie in die Nähe des Tierheimes Ahlum. Die Leute waren aus Niedersachsen zugezogen und schon bald bemerkten Nachbarn, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Nun ja, Hunde kann man nicht gut im Verborgenen halten, sie sind einfach zu laut und machen sich bemerkbar. Im Sommer war der Duft von den beiden Grundstücken auch nicht gerade sehr einladend, so dass sich der Verdacht immer mehr erhärtete, dass dort auf dem Hof Tiere in unwürdigen Zuständen gehalten wurden. Kontrollen des Veterinäramtes und unserer Kollegen waren nicht möglich, die Leute öffneten nicht die Tür, bzw. beschimpften unsere Kollegen auf das Übelste. In Deutschland ist der Schutz der Privatsphäre sehr groß, so dass man auch bei einem Verdacht nicht einfach in ein Grundstück darf. Nach wochenlangem Warten, mal war der Richter krank, mal keine Schreibkraft zu erreichen und vieles mehr, hatten wir endlich die telefonische Zusage, dass der Durchsuchungsbeschluss noch vor Ende Oktober kommen sollte.

Eines war klar. Das würde eine größere Aktion werden.

Vom Fenster eines Nachbargrundstückes aus hatten die Kollegen schon mal auf einen der Höfe schauen können und grob gezählt. Man musste von ca. 50 bis 60 Hunden ausgehen, die dort heraus zu holen sein würden. Das bedeutete auch, dass ein Tierheim allein das nicht schaffen würde, da war Hilfe gefragt.

Das Tierheim Ahlum übernahm die Organisation von Fahrzeugen, Transportboxen und vor allem von Mitarbeitern. Teilgenommen haben dann folgende Tierheime und Kollegen:

Tierheim Wollaberg: Hans Gamperl, Brigitte Fuchs und Lebensgefährte

Tierschutzligadorf Groß Döbbern: Dr. Annett Stange, Sandra Baranowski und AZUBI Katja Spiegel.

Tierheim Ahlum: Uschi Lohse,  Iris und Stefan Volk, Jana Kersten und Laura Feldmann.

Für die Mobile Tierrettung war Herr Petersen als Fotograf dabei und Frau Brigitte Tröger hatte die Aufnahme von Hunden für das Tierheim in Unterheinsdorf zugesagt.

Geplant war, dass sich das Team am Morgen des 20.10.2011 mit Polizei, Ordnungsamt, Rechtsabteilung Landratsamt und unsere Mitarbeiter ein paar Dörfer weiter treffen wollten und dann sollte es generalstabsmäßig losgehen. Als die Planung schon komplett stand, begann das Zittern: der versprochene Beschluss war immer noch nicht eingetroffen. Erst wenige Stunden vor Beginn der Aktion, am Nachmittag des Vortages, traf dann das ersehnte Papier ein. Aktionsablauf also wie geplant.

Zeitgleich, morgens um 9.00 Uhr, traten unsere Teams, die vorgenannten Kollegen,

5 Mitarbeiter des Ordnungs- und Veterinäramtes, unterstützt von drei Einheiten Polizei aus Diesdorf, Salzwedel und Stendal in den beiden Dörfern auf und legten den Bewohnern der Höfe den Gerichtsbeschluss vor, der besagte, dass wir alle Tiere abholen können. Erst gab es wüstet Theater, jedoch der geballten Macht von Polizei und so vieler Menschen mussten sich die Leute dann doch beugen.

 

DER ERSTE HOF

Es war unvorstellbar. Auf dem einen Hof lebten 17 Hovawarte zum Teil in finsteren Verschlägen, ohne Licht in großem Schmutz und zwischen vergammelten Knochen.
Die Besitzer hatten den Hunden Schlachtabfälle verfüttert und die Knochen dann einfach im Hof liegen gelassen.

Auch das Tier, das ihnen als Futter an diesem Morgen diente, lag schon mehrere Tage dort. Davon mussten sich alle ernähren. Vom Welpen bis zum Senior.  Die Hunde waren zum Teil sehr ängstlich und wenig menschenbezogen, vor allem die Welpen waren sehr schüchtern und schienen nichts und niemanden zu kennen.

Dieser Hund hatte eine starke Infektion an der linken Vorderpfote. Die Verletzung stank furchtbar aber durch tierärztliche Bahandlung konnte Schlimmeres verhindert werden. Die Welpen waren vom Pfötchen bis zur Rutenspitze mit Kot und Urin beschmutzt und die runden Bäuche und abgemagerten Körper ließen auf starken Wurmbefall schließen.

 

 

 

 

DER ZWEITE HOF

 

Auf dem zweiten Hof waren fast nur kleine Hunde. Eine kleine Hündin fanden wir mit 5 noch blinden Welpen in
einen dunklen Verschlag in der Scheune. Auf diesem Bild
im Hintergrund zusehen. Keiner weiß, ob die kleinen Wesen es in der Kälte im Stall geschafft hätten. Denn Welpen können ihre Körpertemperatur noch nicht regulieren und kühlen wahnsinnig schnell aus und sterben.

 

 

Ob das die Qualität an Wasser und Futter ist, die wir für Tiere
erwarten, bleibt jetzt einfach mal
für jeden offen. Jedenfalls sind das die Reste, die von der Rasselbande übrig geblieben waren.

 

 

 

 

 

Das Wasser war in jedem Trog extrem dreckig und dieser war noch der sauberste Wassernapf, den wir finden konnten.

 

 

 

Als wir in die Scheune kamen, empfing uns nur ein finsteres Loch, in dem unzählige Hundeaugen glühten. Es war gespenstisch.
Viele Hunde liefen frei im Hof zwischen den alten Knochen herum, und in jeder Kammer im Haus waren Tiere versteckt. Wir bezweifeln sehr, dass den Leuten die genaue Anzahl an Tieren bekannt war.

 

Ohne unseren Kamerablitz…

 

 

 

 

 

…. wären diese Bilder nicht möglich gewesen.

Hier sind mehrere Hovawarts in einer Dunkelkammer eingesperrt.

 

 

Der Dreck, auch im Haus, war unbeschreiblich, die Menschen lebten mit den Tieren in diesem Dreck. Darunter auch Kinder. Das Jugendamt wurde sofort verständigt und kam auch nach kurzer Zeit auf den Hof.

 

Die Hunde waren bis auf wenige Ausnahmen nicht mit einem Chip versehen, so dass wir zur späteren Identifizierung der Hunde jedes
einzelne Tier erst fotografieren mussten,
gingen wir doch davon aus, dass sich die Leute juristisch gegen die Wegnahme derTiere zur Wehr setzen würden. Bevor wir
die Hunde sicher verpackt in
Transportboxen zum Auto tragen
konnten, war also erst mal Papierkram nötig.

Für uns erstaunlich war, dass die Hunde eigentlich alle still gehalten haben und sich ohne Gegenwehr befreien ließen. Nur zwei große Hovawarte die sehr ängstlich waren, versuchten zu schnappen. Nagut, und ein kleiner Tibet-Terrier versuchte, sich aus der Affäre zu ziehen.
Schnell war das erste Auto vollgeladen und konnte schon mal zum Tierheim Ahlum zum Ausladen fahren. Gegen 15.00 Uhr hatten wir dann alle Tiere in Ahlum und konnten zählen. Insgesamt hatten wir 86 Hunde abgeholt,
davon viele trächtige Hündinnen und
Hündinnen mit Welpen
.
Verteilt haben wir die Tiere dann auf folgende Tierheime:
Tierheim Unterheinsdorf
Tierheim Wollaberg
Tierschutzligadorf Groß Döbbern
Tierheim Ahlum.
Die Beschlagnahmung hatte am Donnerstag stattgefunden, in der Nacht vom Freitag zum Samstag wurden dann schon die ersten Welpen geboren. In Wollaberg 5 Kleine und in Ahlum 4 Stück. Eine ganze Reihe Hündinnen sind aber noch trächtig und so erwarten wir in den nächsten Tagen noch weiteren Nachwuchs.
 Obwohl die Leute bereits in einem anderen niedersächsischen Landkreis vom Gericht ein Tierhalteverbot auferlegt bekommen hatten, machen sie einfach weiter. Von Einsicht keine Spur. Ich bin überzeugt, dass uns der Fall noch lange beschäftigen wird.
Uschi Lohse