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26. September 2009

erstellt am: 02.09.2012

Für das Veterinäramt sollten wir an diesem Tag einfach nur zu einer Überprüfung eines Hofes mitkommen. Dieser Hof war schon lange vielen Leuten ein Dorn im Auge, aber bis jetzt wurde sich immer dagegen gesperrt, die Ämter auf den Hof zu lassen.

 Die Frau des Hauses lies uns ein und erzählte, dass ihr Mann schon seit einiger Zeit im Krankenhaus wäre und ihr alles über den Kopf wachsen würde.

 Das, was uns erwartete, war Schlimmer als alles, was wir bisher gesehen haben. Aller Tiere waren verhungert. Dort lebten viele Schweine, die sich schon gegenseitig frassen. Lässt nur hoffen, dass die Gefressenen schon tot waren, als die anderen über sie herfielen.

 

Alle Tauben in den Käfigen waren verendet, genauso wie die meisten Kaninchen und Meerschweinchen. Die noch lebenden saßen neben den Toten. Und das nicht erst seit einer Woche!

 

 

Wann das Grauen begonnen hat, konnte auch niemand mehr sagen. Scheinbar kümmerte sich die Frau nur um die Tiere im Haus und um die Hunde. Um alle anderen „kümmerte“ sich ihr Mann.

 

Die Rinder standen knietief im Dreck und hatten auch kein Futter. Die drei halb verhungerten Ponies haben wir mitgenommen. Eines hat duch die monatelange Mangelernährung trozt vorsichtiger Anfütterung eine Kolik bekommen und verstarb, eines konnte in eine Pflegestelle bei Burg ziehen und unser Campari konnte in ein tolles Zuhause vermittelt werden.

Wir fanden Pferdeschädel und andere Knochen, ob diese Tiere als Futtermittel bereits tot eingekauft wurden oder ob sie dort elend zugrunde gegangen sind,  wissen wir nicht. Die Dame des Hauses konnte uns auch nichts darüber sagen. Sie würde sich nur um die Hunde kümmern und nie hier hinten sein. Sie hätte genug mit allem Anderen zu tun. Dumm nur, dass sie als alleinige Tierhalterin, was aus den Papieren erging, die volle Verantwortung für den Hof hat.

Ob das mit dem Kümmern um die Hunde und die Tiere im Haus geklappt hat?                                  Da überlassen wir  Ihnen das Urteil.

Der Gestank und Dreck waren einfach unbeschreiblich. Wahrscheinlich wäre alles schon längst bekannt geworden, wenn der Hof direkt im Ort gelegen hätte anstatt etwas außerhalb des Dorfes. So wurde niemand so sehr belästigt, dass er ständig meckerte. Es gab zwar viele andere Menschen, die aber gerne anonym bleiben wollten. Leider sah es nicht nur bei den Nutztieren so aus, bei den Hunden war es nicht anders. Manche waren so dürr, dass wir diese sofort mitnahmen – insgesamt 13 Tiere kamen direkt zu uns ins Tierheim.

Darunter 3 Englische Bulldoggen  angeschafft anscheinend zu Vermehrung, die aber durch ihre schlechte Zuchtauswah l(massive Atemprobleme wegen zu kurzer Nasen, schwere HD und ED, Spondylose der gesamten Wirbelsäule, Fehlstellungen der anderen Gelenke, vererbbare Erkrankungen der Augen usw, usw ) krankhaft veränderte Nachkommen gehabt hätten. Käme so ein Tier dann zu einem Menschen, der billig
eine Bulldogge kaufen will, könnte dieser eventuell die hohen auf ihn zukommenden Tierarztkosten nicht zahlen. Und dann?

Eine Bulldogge kostet von einem seriösen Züchter ca. € 1800,- nach oben sind da keine Grenzen gesetzt. Bei einem Vermehrer nur € 650.- oder € 900.- Leider geht dieses „Einsparen der Kosten“ immer zu Lasten der Vierbeiner.

Auch Altdeutsche Hütehunde, Schäferhunde, vom Terrier bis zum Mischling war alles vertreten. Und es wurden Rüden und Hündinnen nicht getrennt. Wozu auch? Welpen bringen ja Geld.

Die Hunde hatten dermaßen lange Krallen, dass sie kaum laufen konnten und waren ganz voller Flöhen und Würmern. Wir stellten alle sofort unserer Tierärztin vor. Ließen sie entwurmen, entflohen und einige Zeit später impfen. Alle haben sich toll entwickelt und viele von Ihnen haben inzwischen schon ein neues Zuhause.

Die Leute haben noch immer Tiere dort. Was an dem Tag unseres Besuch noch laufen konnte und nicht direkt von einem Tierarzt eingeschläfert wurde, muss noch immer dort leben. Es wurden strenge Auflagen erteilt, sollten diese nicht eingehalten werden, ist ein Tierhalteverbot unausweichlich.

Übrigens leben auch auf diesem Hof Kinder. Aber jetzt ist immer bei Einsätzen das Jugendamt  eingeweiht. Es kann nicht sein, dass wir zwar den Tieren helfen können, aber die Kinder in diesen furchtbaren Zuständen hausen lassen müssen. Teilweise haben wir schon gesehen, dass die Tiere ins Kinderbett gekotet haben. In diesem Fall war das Badezimmer der Familie als Welpenaufzuchtzimmer benutzt worden. Wogegen eigentlich nichts spricht, wenn man denn regelmäßig saubermacht. Bei der Menge Hundekot war das aber wohl kaum der Fall. Die Kinder hätten im Slalom zur Toilette gehen müssen. Dazu fällt einem wirklich nichts mehr ein.

Nur die Hoffnung bleibt, dass vielleicht doch mal einer dieser Tiermessies versteht, warum Tiere und vielleicht sogar die Kinder eine neue Familie haben sollten. Bei der Versorgung der Kinder reicht aber auch oftmals, wenn den Familien jemand hilfreich zur Seite gestellt wird.
Und die Hoffung sollte man nie aufgeben, oder?